George Sand. Kupferstich von Friedrich Roßmäßler. Leipzig, 1818. Heine-Institut
George Sand. Kupferstich von Friedrich Roßmäßler. Leipzig, 1818. Heine-Institut

Ängste und Zwänge

Um 1800 trugen Frauen sehr aufwändige Kleider mit viel schwerem Stoff. Frauen aus niedrigen Ständen durften nicht verreisen, was es ihnen zum Problem machte, die Welt zu erkunden. Im 19. Jahrhundert entstanden weitere Bestrebungen zur Frauenemanzipation, einige Frauen versuchten Schriftstellerinnen zu werden. Bücher zu veröffentlichen, war allerdings mitunter recht schwierig für Frauen. Die meisten trauten sich nicht, sich selbst als Autorin einer Geschichte preiszugeben. Um inkognito zu bleiben, benutzten viele Frauen Pseudonyme, unter anderem auch Männernamen, wie die französische Autorin George Sand. Sie trug Männerkleidung und legte sich ein männliches Auftreten zu, rauchte Zigarren, unterhielt zahlreiche Affären und sprach reichlich dem Alkohol zu, was für Frauen zur damaligen Zeit verpönt war.

Gesellschaftliche Normen

Das eigentliche Lebensziel für die Frauen dieser Zeit war es zu heiraten, um sich ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Ein einigermaßen selbstbestimmtes Leben war jedoch nur für adelige oder vermögende Frauen möglich, die Frauen der unteren Schichten mussten meist länger als 12 Stunden am Tag körperliche Arbeit leisten. Sie konnten jedoch trotz der Anstrengung nicht vom Lohn leben.

Für die Frauen der oberen Gesellschaftsschicht bestand ein faktisches „Arbeitsverbot“. Sie sollten sich um den Haushalt und die Kinder kümmern, wenn es nicht Bedienstete dafür gab. Der Ehemann durfte entscheiden was die Frau tun sollte und wendete häufig Gewalt an, um sich durchsetzen zu können. Da der Mann über nahezu alles im Haushalt die Macht hatte, war ein unabhängiger oder ein vom Mann distanzierter Lebensweg kaum möglich.

Aufbruch der Frauen

George Sand war eine emanzipierte Frau des 19. Jahrhunderts und darin eine weithin bekannte und vielfach verfemte Ausnahme, sie besaß einen eigenen Salon, in dem sie öffentliche Teestunden abhielt und berühmte Persönlichkeiten einlud.

Gräfin Hahn-Hahn war eine der wenigen Frauen, die sich selbstständig auf Fernreisen, unter anderem in den Orient, aufmachte. Als sie dort angekommen war, schickte sie ihre Dienstboten nach Hause, um alleine weiter zu reisen. Da sie auch die Wüste durchwanderte, ließ sie sich spezielle Reisekleidung schneidern, darunter einen schweren Mantel. Die Nachbildung des Reisekleides kann zurzeit in der Ausstellung „Salonfähig - Frauen in der Heine-Zeit“ im Heinrich-Heine-Institut bewundert werden (Dauer der Ausstellung: 18. Oktober bis 06. März 2015). Dort kann man auch das goldene Votivherz der Gräfin bewundern. Sie schmolz all ihren Schmuck zusammen und spendete ihn einem Kloster, das sie selbst gegründet hatte.

Mathilda Franziska Anneke galt als eine der wichtigsten Frauen dieser Zeit, die zur Emanzipation beitrugen. Sie gehörte der unteren Schicht an, sie kämpfte für mehr Rechte für Frauen und achtete nicht auf die Reaktion ihrer Gegner. Anneke ließ sich von ihrem Mann nach der Geburt ihres ersten Kindes scheiden. Der Grund für die Scheidung war die Misshandlung während der Schwangerschaft. Nachdem sie ihre Tochter entbunden hatte, floh sie mit dem Kind und zog es alleine groß. Anneke war von ihrer revolutionären Idee so ergriffen, dass sie sich ein selbstbestimmtes Leben aufbaute.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Frauen in der Heinezeit allmählich begannen, sich zu emanzipieren. Sie wollten Abstand von den herrschenden Männern, die völlige Gewalt über sie ausüben konnten. Sie wollten die Welt erleben, bereisen und Geschichten aufschreiben.