Robert Schumann, Eigenhändiger Titelentwurf für die Vertonung von 20 Heine-Gedichten (später »Dichterliebe«, op. 48), Heine-Institut
Robert Schumann, Eigenhändiger Titelentwurf für die Vertonung von 20 Heine-Gedichten (später »Dichterliebe«, op. 48), Heine-Institut

Heinrich Heine spielte selbst kein Musikinstrument. Da es nach seinem künstlerischen Verständnis aber keine strikten Grenzen zwischen verschiedenen Kunstformen gab, kommentierte er als Journalist bzw. Kritiker immer wieder auch musikalische Aufführungen und Werke seiner Zeit. Darunter befanden sich auch internationale Musiker wie Giacomo Meyerbeer, Franz Liszt, Robert Schumann und Richard Wagner.
Das Musikinstrument, welches er am wenigsten leiden konnte, war das avancierte Klavier „Diese grellen Klimpertöne ohne natürliches Verhallen, diese herzlosen Schwirrklänge, diese Erz prosaische Schollern und Pickern, dieses Fortepiano tötet all unser Denken und Fühlen, und wir werden dumm, abgestumpft, blödsinnig.“.

Auch in seiner Lyrik floss sein Interesse für die Musik ein, wie zum Beispiel in das Gedicht „Zur Teleologie“:

Ohren gab uns Gott die beiden,
Um von Mozart, Gluck und Hayden

Meisterstücke anzuhören
Gäb es nur Tonkunst-Kolik

Und Hämorrhoidal-Musik
Von dem großen Meyerbeer,
Schon ein Ohr hinlänglich war!

Trotz seiner fehlenden theoretischen Kenntnisse auf dem Gebiet der Musik, legten viele Komponisten und Interpreten seiner Zeit Wert auf Heines Meinung, wahrscheinlich weil sie ihm als Lyriker eine gewisse Kompetenz in musikalischen Fragen zugestanden. Dennoch wäre es nicht richtig, Heine als Musikkritiker zu bezeichnen. Er war sich seiner begrenzten Fähigkeiten auf diesem Gebiet bewusst und schrieb stets als Außenstehender, der sich der Thematik eines Stücks subjektiv näherte.

Als Heine 1848 schwer erkrankte, verstärkten sich seine Empfindlichkeiten, vor allem galt das für die Ohren. Doch ausgerechnet eine ehemalige Klavierpianistin war es, die zur letzten Liebe seines Lebens wurde: Elise Krinitz, von ihm zärtliche „Mouche“ genannt. Wenige Jahre zuvor noch hatte sie in England mit dem achtzigjährigen Pianisten Johann Baptist Cramer konzertiert, den Heine in seinen Paris-Korrespondenzen als „Mumie“ und verblichenen „Mythos“ verspottete.

So war Heines Leben bis zum Ende voll Widerspruch und Ironie!

Heines Bedeutung für das musikalische Schaffen hielt bis zum 1.Weltkrieg an. Danach ließ der zunehmende Antisemitismus den „Heine-Boom“ weitgehend zurückgehen.
Heute greifen Musiker und Komponisten Heines Werke erneut auf, darunter auch Opernkomponisten, wie Richard Wagner.

Das ist jetzt nur die eine Seite der Medaille: Welche Bedeutung hatte Musik für Heine und wie befasste er sich literarisch damit / Wichtig wäre aber noch der andere Aspekt: Welche Bedeutung hatte Heine für Musiker? Welche Komponisten vertonten seine Werke und warum? Mit welchen Ergebnissen? Wie entwickelte sich das nach Heines Tod?