Ausstellungsplakat, Heine-Institut
Ausstellungsplakat, Heine-Institut

Eine der wichtigsten und auch spannendsten Phasen der deutschen Literaturgeschichte ist die Epoche des Vormärz und der Revolution 1848. Nie zuvor haben so viele Autoren mit all ihren literarischen Facetten und Formen an sozialen und politischen Auseinandersetzungen Teil genommen, im Kampf für die Demokratie und die Freiheit. Die zentralen Themen waren Pressefreiheit, die politische Einheit Deutschlands, der Kampf gegen die wirtschaftliche Ausbeutung und die sozialen Missstände, der Einsatz für die bürgerlichen Rechte sowie erstmals für die Emanzipation der Frau.

Der Vormärz war eine Zeit der utopischen Gesellschaftsentwürfe, der publizistischen und literarischen Konflikte durch ideologische Verwerfungen und Auseinandersetzungen und es war die erste Entstehungsphase des Feuilletons. Für die Autoren bot es aufgrund der Tagesaktualität ein geeignetes Forum, auf zeitpolitische Geschehnisse zu reagieren und damit das Volk zu erreichen.

Mit dem Beginn der Revolution ab 1848 wurde diese Epoche, wie keine andere der deutschen Kulturgeschichte, vor allem durch eine Mobilisierung der Schriftsteller geprägt. Dabei war ein großes Zentrum der politischen, literarischen und publizistischen Auseinandersetzungen das Rheinland mit seinen liberalen, demokratischen und sozialistischen Veröffentlichungen. Zur damaligen Zeit dienten Flugblätter, Lieder, Pamphlete, Gedichte, sowie Karikaturen, die mit einem spitzen Humor und gnadenlosem Witz vorgehalten wurden, als propagandistische Verbreitungsformen für die liberalen Aktivisten.

Die Zensur

Die damalige preußische Herrschaft reagierte auf die unbotmäßigen Schriftsteller und Schriftstellerinnen mit einer Verschärfung der Zensur. Das beinhaltete Verbote von Gedichten und Büchern sowie eine strenge Überwachung des Literatur- und Zeitschriftenwesens. Hinzu kamen Prozesse, denen sich Autoren unterziehen mussten. Dies begann schon in der Anfangsphase des Vormärz mit den Karlsbader Beschlüssen von 1819, womit eine faktische Buch- und Pressezensur eingeführt wurde. Daraufhin erließen alle deutschen Bundesländer Durchführungsgesetze, um somit die Pressefreiheit einschränken. Außerdem gab es am 10.Dezember 1835 einen Bundestagsbeschluss, der sich gegen die Schriften des sogenannten „Jungen Deutschland“ richtete. Der wohl bekannteste unter den damit gemeinten Autoren war Heinrich Heine. Seine Schriften, sowohl bereits erschienene als auch zukünftige Publikationen, wurden verboten, genauso wie die seiner Mitstreiter.

Heines Verfolgung

Die Verfolgung Heines als Autor begann bereits in den 1820er Jahren, er blieb sogar bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts Opfer der Zensur und somit Opfer von massiver Staatsgewalt. Doch wie kam es dazu?

Heine prägte einen einzigartigen Stil, der auch (damals) Anstößiges nicht aussparte, was seinen Werken für die Zeitgenossen bisweilen einen unverschämten Charakter verlieh. Von 1831 bis zu seinem Tod waren fast alle seine Bücher von der preußischen Zensur verboten worden. Unter anderem das Versepos „Deutschland. Ein Wintermärchen“ bot der preußischen Regierung Anlass zu einer Verfolgung nicht nur der Werke, sondern auch der Person Heinrich Heines. 1844 erließ Friedrich Wilhelm IV. von Preußen aufgrund dieses satirischen Textes einen Haftbefehl gegen ihn. Jedoch war Heine bereits 1831 nach Paris umgesiedelt und jegliche Versuche der Preußen scheiterten, ihn wieder durch die französische Regierung nach Deutschland ausweisen zu lassen. Heinrich Heine passte sich insofern der Zensur an bzw. versuchte, sie zu umgehen, indem er, getarnt durch die Kunst seines Stils und die Komplexität seiner Metaphorik, versteckte Botschaften mit seinen Texten übermittelte, gewissermaßen also „Ideenschmuggel“ betrieb. Dennoch hatte Heine das offene Wort gegenüber der Zensur auch nicht gescheut und verglich die Zensur mit dem Anlegen eines Maulkorbes für einen Dichter.