»Mathilde«, Fotografie, etwa 1860
»Mathilde«, Fotografie, etwa 1860

Pariser Liebe (zwiespaltige Ehe)

Augustine Crescence Mirat wurde am 15. März 1815 geboren. Sie war nach seiner Cousine Amalie (1800-1838) die zweite Frau Heines. Von Heine wurde sie nur Mathilde genannt, doch ihr wahrer Name war in der Öffentlichkeit unbekannt. Sie ist die Tochter einer Hilfsarbeiterin aus einem Dorf im Departement Seine und Marne.

Sie lernte Heinrich Heine in Paris kennen, als er gerade 36 Jahre alt war: „ Heine ist ein sehr guter Kerl, ein sehr netter Junge, aber was seinen Verstand angeht, ist er nicht sehr helle!“ Mathilde blieb über Jahre im Status einer Geliebten, Gefährtin und Peinigerin, auch blieb sie lebenslang gegen Heines Erziehungs- und Bildungsversuche resistent. Trotzdem fühlte sie sich verantwortlich, für positive Schaffensbedingungen im Haushalt zu sorgen.

Nach einem siebenjährigen Zusammenleben, einen Tag vor einem Duell am 31. August 1841, heiratete Heine seine Mathilde, um sie notfalls finanziell abzusichern. Sie hatten aber keine Kinder. Heine bewunderte gebildete Frauen, setzte jedoch das Aussehen in den Vordergrund. Mathilde sprach kein Deutsch und versuchte ihre Bildung zu verbessern, indem sie sich Unterricht von Heine geben ließ. Mathildes Beziehung zu Heine ist zwiespältig, einerseits freute sie sich, dass Heine viel Geld besaß, andererseits verstand sie nicht, womit er Geld verdiente: „Mein Mann machte dauernd Gedichte, aber ich glaube nicht, dass dies besonders viel wert war, denn er war nie damit zufrieden.“ Diese Indifferenz an Heines Arbeit machte ihn zugleich wütend und sie hatten über dieses Thema oft Konflikte.

Immerhin war die Beziehung zu Heinrich Heine für die achtzehn Jahre jüngere Französin ein erheblicher gesellschaftlicher Aufstieg. Heine führte sie ins Theater, zum Ball oder über die Pariser Boulevards und die Promenaden der Badeorte. Mathilde war nie eine treu waltende Hausfrau, aber sie blieb ihm - trotz der großen Unterschiede in Herkunft und Bildung – eine verlässliche Ehefrau bis an sein Lebensende. Als Heine am 17. Februar 1856 in Paris starb, wurde sie mit einigem Geschick Heines streitbare Nachlassverwalterin. Am 17. Februar 1883 starb Mathilde an einem Schlaganfall in Heines großen Lehnstuhl.