Christian Liedtke - wissenschaftlicher Mitarbeiter im Heine-Schumann-Archiv des Heine-Instituts
Christian Liedtke - wissenschaftlicher Mitarbeiter im Heine-Schumann-Archiv des Heine-Instituts

H@S: Guten Morgen Herr Liedtke, schön das Sie Zeit für uns haben. Lassen Sie uns direkt anfangen. Was genau sind die Aufgaben eines Archivars?

Liedtke: Meine primären Aufgaben sind jene, sich um die Originalmanuskripte Heinrich Heines zu kümmern und diese vernünftig aufzubewahren. Das bedeutet, darauf zu achten, dass diese sicher verwahrt sind und dunkel unter klimatisch guten Bedingungen liegen. Zudem gehört es zu meinen Aufgaben, Schäden zu beheben, falls welche zu entdecken sind.Außerdem bin ich dafür verantwortlich, Neuerwerbungen zu erhalten, die die Sammlung des Archivs erweitern. Dies geschieht meist durch Käufe und Schenkungen. Demnach habe ich darauf zu achten, dass die Öffentlichkeit über unsere Sammlung informiert ist, weswegen ich einen Katalog erstelle, der die Leser auf unser Archiv aufmerksam macht.

H@S: Wozu dient ein Archiv?

Liedtke: Ein Archiv ist eine Ansammlung von historischen, kulturell wertvollen Gütern, die dort der Öffentlichkeit zur Schau gestellt werden.

H@S: Was genau ist hier im Heinrich Heine Institut gelagert?

Liedtke: Etwa 60 Prozent der weltweit bekannten schriftlichen Überlieferung Heinrich Heines sind hier gelagert. Darunter zu finden sind Manuskripte, Briefe, Lebensdokumente wie Rechnungen oder Quittungen und Familienbriefe.Außerdem sind Wirkungsgeschichten Heines im Zusammenhang mit der Aufnahme seiner Werke von Zeitgenossen hier aufbewahrt.Da die Werke Heinrich Heines oft vertont wurden, stellen wir auch sämtliche Kompositionen, zum Beispiel von Robert Schumann, zur Schau.Zudem erfährt man hier im Heinrich-Heine-Institut Vieles über das generelle Kulturleben um die Düsseldorfer Stadtgeschichte, zum Beispiel in Verbindung gebracht mit der Gründung der Kunstakademie und der Ausbildung zum Künstler um 1800.

H@S: Wie kamen sie zu dem Beruf „Archivar“?

Liedtke: Ich bin eigentlich ein Quereinsteiger. Anders als ein Stadtarchivar habe ich, anstatt einer fachspezifischen Ausbildung, Germanistik und Philosophie studiert. Erst später dann habe ich mich eher auf Heinrich Heine spezialisiert, als mich mit dem Archivieren zu befassen.

H@S: Warum gerade Heinrich Heine? Was ist an ihm so besonders?

Liedtke: In meiner Jugend kam ich schon öfter in Kontakt mit Heines Büchern, bzw. mit seinen Werken, z.B. mit Liebesgedichten, die ich sehr interessant fand. Seine selbstironische Art zu schreiben, diese Mischung aus Sentimentalität und Witz, die so typisch für Heine war, melancholisch und trotzdem damit glaubhaft zu wirken, hat mich damals schon angezogen.Später dann, was noch viel wichtiger ist, haben mich seine politischen Werke, bzw. sein politisches Interesse, seine Fähigkeit als Journalist besonders begeistert und das Interesse an Heinrich Heine noch mehr vertieft.